
In meiner Jugend gab es musikalisch zwei Dinge die unabhängig vom Alkoholpegel beherrscht werden mussten, falls man irgendwie auf Coolness bedacht war: Stairway to Heaven, sowie zwei Nirvana-Songs auf einer Akustikgitarre spielen, sowie holprige Beats mit Fruity Loops basteln. Die Gitarre hatte den Vorteil, dass man sie im Sommer auch im Freien anstimmen konnte - außerdem war es natürlich möglich die Namen seiner Lieblingsbands mit fettem Edding auf das Holz zu malen. Interessant ist allerdings, dass es eigentlich nur wenig Synergie zwischen Gitarrenzupfen und Elektronik-Basteln gab. Anders bei bei der Akron Family, die ihren Folk mit [...]
Dass ein Schlagzeug und ein Saiteninstrument ausreichen, um live ordentlich Druck zu machen, dürfte sich ja spätestens seit Death From Above 1979 herumgesprochen haben. Mit nicht viel weniger Drive als Death From Above, aber mit deutlich anderer Ausrichtung, durften Two Gallants gestern für die Decemberists eröffnen. Beim Anblick von zwei jungen Männern denen Selbstzerstörung in den Stimmen rasselt und die Haare ins Gesicht hängen, drängten sich natürlich sofort Vergleiche mit dem, ins kollektive Gedächtnis gebrannten, Nirvana Unpluged in NY auf. Aber die Haarwurzeln von Two Gallants gehen tiefer. In der Musik liegt ganz deutlich die [...]
Dass ein guter Teil der modernen Popmusik aus Beatles-Zitaten besteht, ist ja inzwischen ausreichend dokumentiert. Bei den Fruit Bats sind es allerdings nicht nur die Melodien - vor allem im Gesang von Eric Johnson liegt etwas, dass mich spontan an Paul McCartney denken lässt. Achtet man dagegen mehr auf die Gitarren als auf den Gesang, drängen sich eher Vergleiche mit den Labelkollegen The Shins auf. Allerdings schaffen es die Fruit Bats nur in ihren stärksten Momenten, den emotionalen Sog zu entwickeln der die Shins ausmacht. Auch wenn in den meisten Songs gute Melodien stecken, fehlen hier [...]
Nicht nur die Veröffentlichung von The Dream of a Modern Day liegt jetzt schon einige Jahre zurück, sogar die Wiederveröffentlichung auf Darla ist schon eine ganze Weile her. Übersehen habe ich beides und wäre warscheinlich auch nicht darauf aufmerksam geworden, hätten Mahogany nicht jüngst eine Compilation mit B-Seiten und Raritäten herausgebracht. The Dream of a Modern Day kann man als späten Vertreter des Shoegaze verstehen - eine Kategorie, die in letzter Zeit wieder öfter gezückt wird - es ist also nur eine Frage der Zeit bis erste Varianten mit Präfixen wie "Post" auftauchen. Wie sich das [...]

Ich freue mich immer über Kritzel-Animationen, besonders wenn sie zu schöner Musik gemacht werden. Leider ist das Video etwa ab der Hälfte etwas repetitiv, aber da kann man wohl ausnahmsweise drüber hinwegsehen. (Beim Wühlen in videos.antville.org gefunden)
Als ich alter Nerd den Titel der Band das erste mal gelesen habe, musste ich spontan an das Computerspiel Rogue denken. 1980, als die Bildschrime noch Monochrom und Modems von der Post verboten waren, war es möglich in diesem Spiel durch ein düster-tolkienesque ASCII-Welt zu ziehen. Die Musik von Rogue Wave allerdings ist das genaue Gegenteil von Rogue. Kein Stück 8-Bit Nostalgie, stattdessen Akustikgitarren, und statt ewiger Nacht in unterirdischen Kerkern eine Art kalifornischer Mittsommer - nicht ohne Balladen und nachdenkliche Passagen, aber von düster kann keine Rede sein. Rogue Wave sind vollkommen O.C. California tauglich. [...]
35 Jahre ist es her, dass Vashti Bunyan ihr Debutalbum Just Another Diamond Day veröffentlicht hat - und doch scheint es als wäre in der Zwischenzeit nur wenig geschehen. Beim Hören von Lookaftering drängen sich mir ganz unwillkürlich Bilder von langhaarigen Menschen in den Kopf, die mit Blockflöten durch verwaschene Super-8-Spätsommer tanzen. Lookaftering verströmt genau diese Sonnenwärme und Hoffnung, die man wohl damals in selbstgetöpferten Krügen gesammelt hat, kurz bevor Müsli-Spießertum und politische Radikalisierung einbrachen. Natürlich sind das nur Klischees, aber wenn man den zerbrechlichen, träumerischen Folk von Vashti Bunyan hört, möchte man gerne daran glauben. [...]

Anders als bei Fragestunden mit kleinen Lokalbands aus Eifeldörfern, war ich von der Aussicht auf ein Interview mit Bohren & der Club of Gore doch etwas eingeschüchtert. Da bleibt natürlich nichts als sich gut vorzubereiten. Bei der Recherche zu Bohren hat Achim dann festgestellt, dass Interviews mit der Band wohl besonders gut funktionieren, wenn dabei Metal-Videos laufen. Nach längeren Graben habe ich zwar einige Tool-Videos auftreiben können, aber weil im Kneipenteil des Jakobshofs kein Videorekorder steht, fiel der Ganze Plan flach und wir mussten darauf hoffen, dass allein unser natürlicher Charme die Band gesprächig macht. Charme war auch schon im [...]
Achim und Ich werden uns am Samstag präzise um 21:00 als Laptopmusiker verkleiden und die Gallerie 23m² mit ausgesuchtem Sample-Wust beschallen. Dazu gibt es natürlich auch noch schöne Bilder von Sascha Berretz zu bestaunen. Wir haben veranlasst, dass man uns von meiner Wohnung, die in etwa 15 Meter vom 23m² entfernt liegt, mit einer Limusine bis zur Gallerie kutschiert. Wird also rein dicke-Hosen-technisch ein riesen Ding.
Birdsong ist ein israelisches Netlabel, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat Lo-Fi- und in Heimarbeit entstandenem Krach eine Plattform zu bieten. Alle Alben werden kostenlos zum Download und als Stream angeboten - allerdings sind einige der Stream-Playlists etwas durcheinander und müssen noch per Hand repariert werden. Eigentlich sehr peinlich für Netlabel. Besonders zu empfehlen und mit intaker Playlist ist übrigens Major Keez Joined by her highness. (via metafilter )

Auch wenn Fernsehwerbung in letzter Zeit dank Jamba und Konsorten etwas in Verruf geraten ist, muss man durchaus zugeben, dass es gelegentlich auch gute Spots gibt. Sogar im Kino und vor dem Radio gab es schon Werbebeiträge, die bei mir nicht unwillkürliches Kopfschütteln hervorgerufen haben. Guten Spam habe ich allerdings erst einmal gesehen - und zwar von CD Baby. Bei diesem Spezialist für unbekannte Bands habe ich vor mittlerweile einiger Zeit eine CD von Big Milk bestellt, und erhalte seit dem in etwa halbjährlichem Rhythmus unheimlich sympathische E-Mails, in denen von Festen berichtet wird die mir [...]
Schräge Musik findet man heutzutage nicht mehr nur Morgens um 6 Uhr 30 auf obskuren Flohmarktständen - inzwischen haben sich einige Blogs und Websites auf genau dieses Thema spezialisiert. Beware of the blog: Hier schreiben die Moderatoren des New Yorker Radiosenders WFMU, der sich einen Namen als warscheinlich abgedrehtester Sender der USA gemacht hat. Regelmäßig gibt es auch MP3s zum download. The Record Robot: Regelmäßig neue MP3s mit vielen Hintergrundinformationen Kiddie Records: Eine große Sammlung alter Kinderschallplatten - sehr schön. [...]

Für Freunde sympathischer deutscher Texte, Sitzfußballer und pathologische Optimisten. (via metafilter und videos.antville.org )
Heute bin ich tatsächlich früher aufgestanden, um noch vor der Uni, also beinahe vor Sonnenaufgang, meine Konzerteindrücke in Worte zu wandeln - und das will schon was heißen. Als Unterstützung für Räuberhöhle ging es pünktlich um 21h - also um kurz vor 10 - mit Theo Trickbeat los. Was Herr Trickbeat macht wurde auf dem Flyer als Trash Comedy angepriesen, was es ganz gut fasst. Bewaffnet mit einem Plattenspieler, sowie ungefähr 3 Platten gab es von Theo abwechselnd Krach von Vinyl - auch gerne mal deutlich hochgepitched - mit Gesang und schrägen Humor. Gelegentlich traute sich [...]
Wilco wird demnächst ein Livealbum mit dem schönen Namen "Kicking Television - Live in Chicago" veröffentlichen. Bei Amazon.de wurde das Ganze auf auf "Kicking Television-Livein Chic" verkürzt - auch gut. Jedenfalls bieten Wilco schon jetzt auf ihrer Homepage vier Tracks dieses Doppelalbums zum streamen an. (via stereogum )
Als erstes Jullander-Lied überhaupt ist mir "Reinhard Libuda verliert die Geduld" zu Ohren gekommen, und ich musste spontan an eine wenig bekannte Band namens Meanwhile Back In Communist Russia denken - vor allen Dingen weil Jullander alles richtig machen, was an Meanwhile Back In Communist Russia falsch war. Das fängt schon beim Namen an, der frei von allen Postrock-Cliches in eine Zeile passt, und geht bis in die Melodien, die es nicht nötig haben Ideenlosigkeit durch Schrammel-Crescendos zu kaschieren. Stattdessen finden sich neben Postrock-Anleihen clevere Jazz-Elemente, die sich mühelos in die Melodien einfügen. Was "Reinhard [...]
Vor einiger Zeit habe ich eine Top Drei der betrunkensten Songs in meinem Musikhaufen zusammengestellt. Dabei kam Animal Collectives "Native Belle" auf Platz zwei. Rückblickend hätte der Song warscheinlich disqualifiziert werden müssen, denn anders als "The Piano Has Been Drinking" von Tom Waits, das vor harten Alkohol trieft, traue ich "Native Belle" durchaus auch den Konsum von ziemlich exotischen Substanzen zu. "Native Belle" und das dazugehörige Album Here Comes the Indian liegen inzwischen schon etwas zurück, und die Band hatte Zeit ein wenig auszunüchtern. Zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man Feels hört. Die [...]
Von Camille habe ich zum ersten mal auf Arte im Rahmen der la Route du Rock Berichterstattung gehört. Dort habe ich auch erfahren, dass sich Frau Camille gerne einen senkrechten Strich in das Gesicht malt; in etwa so wie Günter Brus. Soweit ich das in dem kurzen Live-Mitschnitt erkennen konnte, besitzt sie ansonsten aber wesentlich mehr Tischmanieren als der Österreicher. Auch durch ihr Album zieht sich ein Strich, bzw. ein Faden in Form eines gehaltenen Tons. Wie ein Großteil der Elemente in den Songs ist dieser Ton gesungen. Trotzdem erinnert das Album nur wenig an Björks [...]
Dass Arcade Fire bei einer Show gemeinsam mit David Bowie aufgetreten sind, wird ja schon länger gemunkelt - jetzt gibt es auch Beweise auf Film . Das Video stammt von Fashion Rocks, einer Verantstaltung die besonders gut angezogenen Musikern gewidmet ist. Neben Arcade Fire gab es Indie-Lieblinge wie Shakira und Billy Idol zu bewundern. Das Video beschränkt sich im Glück auf den Auftritt von Arcade Fire. (via Where is your mind )
Etwa nach drei Takten des ersten Lieds "Since K Got Over Me" weiß man wonach Clientele klingen: Nach den Sechzigern, oder vielmehr einem Zerrbild der Sechziger wie es zahllose Best of the 60s- Dauerwerbesendungen und schlechten Filmen verbreitet wird. Warum genau The Clientele so sehr nach den Sechzigern klingen ist etwas schwieriger zu beantworten, und hat viel mit der Produktion der Songs zu tun. Die Gitarren scheinen durch den Song zu schweben und die Melodien strahlen ein verklärtes Glücksgefühl aus. Die Mischung von Clientele funktioniert - so gut, dass sie auf keinem Song wirklich davon abweichen. [...]