
Wenn es etwas gibt, das mich immer wieder an (vor allem deutschen) Produktionen stört, dann sind das Produzentenvocals. Dünne, schräge Stimmen, ödes Timbre, wackeliges Getapse über wenige nah beieinander liegende Töne - warum nicht stattdessen jemanden nehmen, der oder die auch ein Gesangsorgan hat das einen ebenso mitnehmen kann wie die Musik? Walls sind jetzt nicht das perfekte Gegenbeispiel, bei ihnen werden Vocals unbekannter Herkunft in kaum zu einem Wort reichenden Schnippseln geloopt als ein weiteres unter vielen Instrumenten und Texturen genutzt. Aber die Stärke, in der sie ausgeprägt sind, machen sie dabei zu einer ebenbürtigen Bereicherung der [...]

Wenn es etwas gibt, das mich immer wieder an (vor allem deutschen) Produktionen stört, dann sind das Produzentenvocals. Dünne, schräge Stimmen, ödes Timbre, wackeliges Getapse über wenige nah beieinander liegende Töne - warum nicht stattdessen jemanden nehmen, der oder die auch ein Gesangsorgan hat das einen ebenso mitnehmen kann wie die Musik? Walls sind jetzt nicht das perfekte Gegenbeispiel, bei ihnen werden Vocals unbekannter Herkunft in kaum zu einem Wort reichenden Schnippseln geloopt als ein weiteres unter vielen Instrumenten und Texturen genutzt. Aber die Stärke, in der sie ausgeprägt sind, machen sie dabei zu einer ebenbürtigen Bereicherung der [...]

Na soll mal einer sagen, ich hätte zu wenig Geduld beim Probehören. Gut vier Monate nach dem ersten Mal hab ich mich letztens endgültig entschlsosen, mir das Debüt von Gatto Fritto zuzulegen. Vielleicht, weil ich mich selbst so schwer davon überzeugen konnte, dass er darauf irgendwas besser macht als die vielen, vielen anderen, die ein ähnliches Feld bearbeiten und unn wirklich keinen Mangel an Höralternativen bieten. Aber letztlich kommt's eben doch nur darauf an, dass ich irgendwann mal wieder einen enormen Drang nach Lucifer Morning Star verspürte, aus dessen Sternennebel immer wieder diese Einzelmelodien [...]

Schon bei der Nennung ihres Labels hab ich aufgehört, Mails und Blogeinträge über Dominant Legs zu beachten, zu viele der Sachen auf Lefse hatten in der Vergangenheit die Art von angesagt ramschiger Produktion, die mir so gar nix bringt und vernünftiges Songwriting mit dem gleichen Klangmatsch obskuriert wie halbgares Rumgenudel. Aber damit habe ich nur allzu lange diese fantastische Sonnensingle verpasst, klar umrandete New-Wave-Wonne mit spritzig flottem Gitarrenjangle und goldigem, clever arrangiertem Sie-und-Er-Duett- und Wechselgesang deren Refrain auch bei der 87. Wiederholung eine wahre Freude ist. [Video] Dominant Legs - Hoop Of [...]

Man lasse sich nicht vom Counter täuschen: Dies ist nur die sekundäre offizielle Version des Videos, die nicht hierzulande gesperrt ist. Die andere steht mittlerweile bei über 10 Millionen Views, einen Großteil davon hat sie innerhalb weniger Tage erreicht und ist damit zumindest zum schnellsten 8stelligen Videoerfolg des K-Pop geworden. Doch ums Video geht es hier natürlich nicht, aber auch nicht mal so sehr um den ganzen Song - auch wenn sich eine Abhandlung über den Einsatz des Dubstep-Breakdowns im Pop 2011 hier festmachen ließe, auch wenn Bubble Pop eine der Übersingles des Jahres ist, auch wenn es [...]

Last Summer ist eine Doppelreise: Einmal eine zeitliche, durch die Erinnerungen Eleanor Friedberger s, zum anderen eine geographische durch die Straßen New Yorks, in denen sich scheinbar ihr gesamtes Leben abgespielt hat. Darin unterscheiden sich ihre eigenen gar nicht mal so sehr von den Songs, die sie gemeinsam mit ihrem Bruder bei den Fiery Furnaces macht. Doch wo sich diese in ebenso obskur-exotischen Orten wie in fernst zurück liegenden Zeiten abspielen können, bleiben die Handlungen ihres Debütalbums stets in greifbarer Nähe, erhalten sich eine Qualität die sie nicht wichtiger, aber persönlicher werden lässt. Sie versucht nämlich gar nicht [...]

Wer sich den Pressetext - oder eine davon abkopierte Rezension - zum neuen Album der Handsome Furs durchgelesen hat, wird als großen Unterschied zu den Vorgängeralben ausgemacht haben, dass es großteils auf Synthesizern komponiert (wohlgemerkt nicht eingespielt) wurde. Wer es tatsächlich mal gehört hat, wird gemerkt haben, dass hier die Gitarre zwar stärker als Textur denn als Melodieriffer verwendet wird, Sound Kapital aber vor allem durch sein Halldimensionierung in einer anderen Liga spielt. Klangen Songs wie Evangeline so, als würde man den beiden beim Spiel in einem Kellerclub oder noch intimerem Rahmen zuhören, [...]

Shapeshifting ist eines der erstaunlichsten Alben des Jahres - und sich dessen in seinem Titel auch vollauf bewusst. Eine Band lässt ihre eingespielte Musik mit nahezu blindem Vertrauen von jemand anderem übern Haufen werfen und fertig stellen; so weit, dass sie von Anfang an unverkennbar nach dem Schaffen von Produzent Dan Lissvik klingt, mehr als dass man die Band darin wiederfindet, deren Name auf der Platte ausgezeichnet ist. Doch mit dem zweiten Song Blown Minded ändert sich das, die Klangfläche wird breiter, auch wenn unter ihr immer noch Studio -Beats ackern, vor allem aber [...]

Dass ich hier schon länger keine Videohitliste an der Qualität des Bildmaterials gemessen erstelle, sondern sie lediglich als randomisierten Aufhänger zur Bextextung guter Musik nutze, dürfte mitunter aufgefallen sein. Für diesen Clip soll es aber eine Ausnahme geben, denn der Ton dazu ist mir völlig egal. Die Bilder sind fast tagesaktuell und stammen von den StudentInnenprotesten in Chile am vergangenen Wochenende, könnten aber fast genauso dieser Tage von der britischen Insel kommen. Es ist schon bemerkenswert, wie sehr man sich in geographisch entfernten Geschehnissen involviert fühlen kann, wenn man über das Internet mit Bekannten vor Ort in Nahezu-Echtzeit kommunizieren kann. [...]

Dominik Eulberg s wunderbares Diorama bewundere ich mehr und mehr als Naturporträt, das über sein thematisches Konzept der 11 darauf bespielten Waldwunder hinein in die Kompositionen selbst reicht. Vor allem als Gegensatz - oder Alternativentwurf - zu musikalischer Landschaftsmalerei mit breitem Pinselstrich: Eulberg brilliert vielmehr darin, einen Mikrokosmos aus Tonelementen zu versammeln, die alle ihren eigenen Charakter und gar eine eigene Dynamik zu haben scheinen. In unterschiedlichem Tempo und Bewegungsmuster springen sie, kriechen, schwingen oder pulsieren starr auf der Stelle, letztendlich kommen sie aber als harmonisch interagierendes Ökosystem zusammen - zum musikalischen Wohlklang. [Video] [...]

Einer der Gründe, warum ich überwiegend englischsprachige Musikkritik lese ist der, dass dort einsichtsreiche und leidenschaftliche Beschäftigung mit Popsongs bei vielen eine Selbstverständlichkeit ist. Also Pop nicht im "Alles was zwei Leute interessiert ist Pop"-Sinne, sondern popistische Popmusik mit populären POP-Ambitionen. Hierzulande sieht es damit ziemlich mau aus, zumindest habe ich bis heute nichts gefunden was auch nur annähernd z.B. an die Singles Jukebox oder an die vielen US-KritikerInnen auf Tumblr ranreicht. Popmusik wird ohne eine darum spinnbare Erzählung als wertloses Produkt für die Masse so ideen- und lustlos abgetan, dass selbst beim letzten GaGa-Album die Feuilleton-Schreiberlinge kaum über [...]

Zu haben war Javiera Mena s zweites Album ja schon letztes Jahr, abgesehen von einem kleinen Plattenladen in Chile allerdings nur als schnöder Download. Gut getimt ist aber nicht nur ziemlich genau zum wärmsten Tag seit Längerem ein Video zur nächsten Single (immer noch keiner der besten beiden Albumsongs) online gegangen, seit Kurzem kann man Mena auch bei Herzio auf CD und LP bestellen. Seitdem sie angekommen ist (mit der spanischen Post muss man ein bisschen Geduld haben, weltweit die langsamste und teuerste, die mir untergekommen ist - dafür kostet die Ware selbst wenig) lege [...]

Einer der größten Musikgeburtstage dieses Jahres dürfte der dreißigste von Flying Nun Records sein, dem Label, das durchaus als Geburtsstätte des klassischen Indierock-Sounds bezeichnet werden kann. Rechtzeitig dazu hat Gründer Roger Shepherd das Label vor Kurzem von Warner zurückgekauft und es so tatsächlich wieder unabhängig gemacht. Keine schlechte Entscheidung, da er damit nun auf einem Berg von vergriffenem Material sitzt das nicht nur auf eine Wiederveröffentlichung wartet (Daumen drücken für Baitler Space), sondern auch nicht aus der Zeit geschlagen klingt. Höre man dazu nur mal Street Chant , die von Geburt an mit Kiwi-Pop gefüttert wurden [...]

Nicht, dass es wirklich so beabsichtigt war, aber dass Ada ihrem zweiten Album vorausgehend die nicht darauf enthaltene Single Me And The Three rausbrachte, war wohl die Finte des Jahres. Davon ausgehend hätte ich jedenfalls kaum eine überwiegend untechnohafte Platte voller bassarmer, warmer und irgendwie sehr, sehr europäischer Popeleganz erwartet. Vor allem an Saint Etienne um Mario's Cafe rum fühl ich mich von Meine Zarten Pfoten erinnert, nicht in einer starken Klang- oder Strukturübereinstimmung sondern in einer unaufdringlichen, zeitlosen Aura, die diese Platte ausstrahlt und die banale Saison-Ortsbindungen wie "Sommer" und "Strand" [...]

Der erste und stärkste Eindruck, den ich von Jolly Goods bekam, war live - allerdings vor allem von ihrer Musik. Die Gesichter so von Haaren unerkenntlich gemacht und so bestimmt rumholzend, dass nach anfänglichem Rätseln erst beim Googeln am nächsten Tag gänzlich sicher wurde dass die Geschwister a) noch Teenagerinnen und b) nicht mit Herrn Gedge über'n Kanal gekommen, sondern aus Deutschland waren. Bald vier Jahre und auch unter anderem ihr damaliges Label sind seitdem vergangen, so wird nun auf Staatsakt am 23.09. ihr zweites Album Walrus rauskommen auf das Try schonmal in bestem [...]
2011 scheint für den südkoreanischen Pop eher ein mäßig gutes Jahr zu werden, zumindest im Vergleich zu den sagenhaften letzten beiden. Das hat zwar auch damit zu tun, dass viele der besten Gruppen damit beschäftigt sind, nach Japan und auch nach Europa zu expandieren (wo sie in Frankreich prompt eine Demonstration für mehr als nur ein Konzerte verursachten), aber songmäßig fehlen mir auch einfach die richtig großen Dinger. Gut, zur Zielgruppe (Teenagerinnen und jünger) gehör ich nicht gerade, aber die Industrie ist in einem dermaßenen Boom dass sie immer wieder was abgeworfen hat - wie nun Roly [...]

Ob's wohl bloß an falsch Erwartungen liegt, dass das neue Architecture In Helsinki -Album nicht vielen Leuten so gut zu gefallen scheint wie es mir derzeit den Sommer erhellt? Klar, dass auf der einen Seite geschmackliche Schmalspurler (nicht dass dagegen etwas einzuwenden wäre), die sich mehr gewohnten Indie-Schmindie erhoffen, zu reaktionären ... öhm ... Reaktionen wie dieser kommen, aber Fans eingängiger Electro-Eleganz müssten doch ähnlich hierauf abfahren wie auch auf die sonstigen Modular-Sachen. Vielleicht haben die gar nicht erst hingehört und AIH mental ganz woanders abgelegt? Naja, ist wie gesagt eines meiner diesjährigen Sommeralben schlechthin mit seinen [...]

2011 ist ein Jahr der Lieblingsband-Aufspaltungen, allerdings kommt dabei eher mehr als weniger tolle Musik für mich bei rum. Matthew Friedbergers jahrlanges Albumprojekt ist mit Old Regimes quasi schon zur Hälfte durch, wie zu erwarten war zwar mit gemischten, aber mitunter feinen Ergebnissen spielt er jedes der sechs Alben mit ausschließlich einem Musikinstrument (das er in der Regel vorher nicht gelernt hat) ein, zuletzt war die Harfe dran. Weitaus konventioneller ist die Herangehensweise seiner Schwester, Eleanor Friedberger bringt am 12.07. auf Merge ihr wohl einziges Soloalbum dieses Jahr heraus, Last Summer [...]

Times New Viking zählen sicherlich zu den Bands, bei denen sich das Warten aufs Vinyl lohnt. Nicht nur der Musik wegen, nicht nur weil die Leute von Wichita (hierzulande ist nur die CD rausgekommen) die Platte mit persönlichem Gruß verpackten und eine Woche später obendrein noch ein Poster aus dem UK gratis hinterherschickten(!), sondern weil hier so die anarchischen Collagen-Designs Beth Murphys in angemessener Größe zu Amüsement führen, mit all ihren Lügen und Anspielungen (INCLUDES THE HIT SINGLE "NEW LOUIE LOUIE" heißt es an einer Stelle, "Slow-Fi" oder überabsurd "Google" an einer anderen.) Sie untermauern auch wieder, was [...]

Leider hat sich die Vinylausgabe des wunderbaren Debüts von Gold-Bears auf nächste Woche verzögert, so werd ich noch ein paar Tage warten müssen, bis ich Are You Falling In Love? erstmalig "richtig" auflegen kann. Bin mir aber immer noch recht sicher, dass es dieses Jahr kein besseres Schrammel-Indiepop-Album geben wird, dafür kommt von dem Kaliber zu selten eine ganze LP zustande, geschweige denn mit dieser Hals-über-Kopf-Energie, die mir schon bei Livemitschnitten immer wieder spontan-begeistert die Hände in die Luft gleiten lässt. Gold-Bears! [Video] Gold-Bears - Record Store