Wird One Second Of Love wirklich erst Nite Jewel s zweites Album sein? Mensch, wie die Zeit nicht vergeht. Zumindest, wenn man sie nur an Longplayern markiert, in Wahrheit sind seit dem Erscheinen von Good Evening schon drei Jahre vergangen, über die die Weiterentwicklung von Ramona Gonzalez' vormaligem Eine-Frau-Projekt an über nem halben Dutzend Singles und EPs mitzuverfolgen war. Voller, sauberer ist ihr Funk-infusionierter Synth-Pop natürlich jenseits verrauschter 4-Track-Aufnahmen geworden, aber auch instrumental stärker ausgeformt und live zur vollwertigen Band angewachsen. Geblieben ist jedoch die Mitternachtsstimmung ihrer Synthschwaden, wie die ersten drei Stücken des am [...]
Das leichter mit Beispielen als Worten vermittelbare an Balearic als Genrehut ist ja, dass die darunter versammelbaren Stücke zwar idR. gewisse ästhetische und formale Gemeinsamkeiten wie sanften Gesang oder Niederintensität-Bpm haben, jedoch vor allem einem gewissen Ton, einer Stimmung unterliegen die sie einen. Was Remixe angeht, ist so oft jenes Material am besten dafür geeignet, das bereits eine derartige Stimmung in sich trägt, egal in welchem Stil sie formuliert ist. So kehre ich derzeit immer wieder ganz gerne zu diesen beiden Neubearbeitungen zurück, die den langhaarigen Kurt Vile in Softbeats kleiden und die hier so gar nicht metallischen Boris [...]
Von der hastigen Truppe ist Julia Holter nicht gerade. Zwar bringt sie am 08.03. auf RVNG Intl. schon ihr zweites Album innerhalb eines knappen halben Jahres raus, doch hat sie an Ekstasis gut doppelt so lang gearbeitet wie am letztjährigen Tragedy . Das zeigt sich spätestens daran, dass unter anderem darauf auch Für Felix enthalten sein wird, jenes Stück, dem ich bereits vor 3½ Jahren hier meine Zuneigung bekundet hatte als ich erstmals über sie schrieb. In dessen weniger abstrakte Synthpop-Richtung scheint sich auch der Rest des Albums zu [...]
Die heute beginnende Tour der New Yorker Noiserocker The Men mag weiterhin außerhalb meiner Reichweite sein, doch wie zum Ausgleich dafür gibt's nun das erste Stück ihrer zweiten Sacred-Bones-LP innerhalb von 12 Monaten zu hören. Und als wäre der Titel Programm, nach dem glorreich-manischen Höllenritt von Leave Home dreht das Titelstück zum am 09.03. erschienenden Open Your Heart Lärm und Heulen nun zugunsten der Melodie ein wenig zurück - weniger Pissed Jeans, mehr Buzzcocks. Sicher noch ein paar mehr neue Songs gibt's dann die Tage live zu hören. [Stream] [...]
Uhm ja, ich glaube auf der Suche nach überragendem Punk/Hardcore/Noiserock brauch ich mich momentan nur durch das Label- und Vertriebsprogramm von Katorga Works zu klicken und bin damit bestens bedient. Die Entdeckung der letzten Woche ist Rational Animals , ein Hardcore-Quartett dessen munteres Debüt Bock Rock Parade zwischen den Rumpeleien der treibenden Rhythmussektion, dem vollbrünstigen Gesang und der doppelstarken Sechssaiter-Rifferei keine Sekunde nachlässt. Ganz toll und wie immer bei KT per Download zu beschnuppern. [Stream] Rational Animals - Guess What? (Crunch)
Krieg zunehmend das Gefühl, dass Auf den zweiten Blick die beste Idee ist, die ich blogmäßig je hatte. Nicht als Bereicherung für die ganze Welt, sondern allein für mich. Man kriegt ein anderes Gefühl für Zeit, besonders in der mittlerweile zeitlosen Allesgleichzeitigmachung des Internets, wenn man (ungefähr) jeden Tag für ein paar Minuten lang etwa gleich viele Jahre in die Vergangenheit blickt. So kommt es mir z.B. nicht bloß so vor, als hätte ich mich erst kürzlich gefragt "Was ist eigentlich aus The Ponys geworden?" Die Antwort lautet, zumindest im Fall von [...]
Eine Abhandlung über #seapunk erspare ich mir mal gerne, denn für die herausragende Qualität dieses Mixes von Zombelle muss man den Begriff weder kennen noch seine subkulturellen Attribute verstehen. Shantasy Island ist nämlich fast ausschließlich eine Mischung großartiger Italo-und-sonstwie-Euro-Disco- Nummern um die 80er-Wende rum, die zwischen Sci-Fi- und Gruftgeschichten-Flair genau diese Seltsamkeit verstrahlen, die mich in Kindergartenjahren an einem Tape mit ähnlichem Inhalt ungemein gereizt hat. [Stream/MP3] Zombelle - Shantasy Island
Muss mir mal langsam angewöhnen, alle Labels und Musizierenden die ich gut finde nach einem Soundcloud-Profil abzuchecken. So bin ich jetzt erst auf das von Container gestoßen, wo sich schon gut ein halbes Jahr In A Pile tummelt. Das Stück ist ein weiterer großartiger Noisetechno-Klopper, der sich über 8 Minuten zunehmend füllt und intensiviert, vor allem aber ist es nur eines von vielen auf sowohl Containers Concepto-Mix wie auch der Cassetten-Compilation Fake Sound Routine Vol 2 , auf denen Ren Schofield zahlreiche Geistesverwandte versammelt - was mir die Suche nach solcher Musik doch erheblich erleichtert. [...]
Und gleich eine fabelhafte Nachhol-Entdeckung aus Spät-2011: Shoppers entrollen auf ihrem wuchtigen Debütalbum Silver Year eine ähnlich massive Punklawine wie ihre Beinahe-Nachbarn The Men. Nur finden sich unter ihrer verrauschten Noisedecke tightere, melodische Songs, die obendrein von herrlich shoutigem Gesang begleitet werden. Wie andere der jüngeren Labels auf der New York-Miami-Achse stellt Feeble Minds seine Veröffentlichungen wie diese hier zum freien Download online, physische Exemplare der mittlerweile ein zweites Mal aufgelegten LP sind aber durchaus auch noch zu finden. [Stream] Shoppers - Silver Year
Als sich die brillanten Studio jüngst endgültig auflösten , hinterließen sie neben vermutlichen Gigabytes an unvollendetem Material auch knapp über ein Dutzend eigene Stücke und ebensoviele Remixe. Unter letzteren befanden sich offenbar auch ein paar Geistesverwandte, so haben sich Daniel Judd alias Sorcerer von Windsurf und Terri Loewenthal von Rubies zu Shock zusammengetan. Deren erstes Stück Heaven schreit geradezu "ich komme aus San Francisco", teilt sich eine Furchtlosigkeit vor zuviel strandinduzierter Lockerheit und Oberflächenglätte mit Tycho oder Judds Windsurf-Partner Hatchback und groovt sich hauchgesangsverhangen durch einen kristallinen [...]
Über die Stimmchemie der Deheza-Schwestern, die School Of Seven Bells ' ersten Alben so eine entrückende Traumhaftigkeit verlieh, ließ sich schnell vergessen, dass der dritte im Bunde - Benjamin Curtis - ja vorher bei den Secret Machines war. Vielleicht liegt es am Weggang von Claudia Deheza, es ist aber auch eine Fortstzung der Entwicklung ihrer Musik, dass sich das Duo auf den ersten beiden Songs des am 24.02. erscheinenden Ghostory deutlich dronerockiger gibt. Vor allem das erstmalig nicht aus der Maschine kommende Schlagzeug gibt The Night eine gehörige Portion Extra-Drive, Lafaye hingegen ist [...]
Was ihre Studioveröffentlichungen weniger konkretisieren als kompakter machen, ist der hypnotische Strudel, den die repetitiven Maschinismen von Factory Floor erzeugen. Live streckt sich das Trio nicht nur voluminös in die Breite, sondern auch in die Tracklänge - nur hab ich bislang nie Liveaufnahmen gefunden, die dem so recht gerecht werden wollten. Nun kommt ARTE Live Web nicht nur damit, sondern dazu noch mit Videomaterial an. Wenn das mal keine feine Wintermusik ist. Factory Floor bei den Trans Musicales de Rennes
Do(wner)-Fi Wo ich mich gerade zwecks gnadenlos akkurater Listenerstellung durch alle meine diesjährigen Erwerbungen höre, ist mir doch glatt dieser Mix eingefallen, den ich irgendwann erstellt und nie verlinkt hatte. Eine Sammlung von Songs, die - meist mit beidgeschlechtlichem Gesang - einen ganz bestimmten, emotional verregneten Ton treffen, aber zugleich in einem Schrammelsound gehalten sind, der sie klanglich interessanter macht als irgendwelches Niedergeschlagenheits-Geklampf e. Mit dabei in der knack(s)igen halben Stunde sind EMA, Sebadoh, Times New Viking u.v.a. Do(wner)-Fi
Was wäre man nur ohne WFMU. Letzte Woche eine Band, die nicht in meiner Nähe tourte, diese Woche eine Session einer Band, die im nächsten Jahr nur andere Ecken Deutschlands besuchen wird. Nach anfänglicher Nichtbeachtung scheint das großartige Sacred-Bones-Debüt Leave Home von The Men nach und nach eine Hörerschaft gefunden zu haben und findet sich dieser Tage auch schon in einigen Listen wieder - zu Recht. Für die Radiosendung von Brian Turner spielten die New Yorker satte 7 Stücke, und die nicht gerade in Kurzfassungen. The Men - Live [...]
Beim Beschreiben von Musik wird ja ganz gerne von Tiefe und Oberflächlichkeit gesprochen, meist jedoch eher in übertragenen Sinnen. Anders ist das bei Perfume , deren Popentwurf auf ihrem neuen Album JPN umso komplexer ist, je mehr man in die Tiefe und Breite hört. Ganz oben in Laser Beam beispielsweise sind erst mal wenig spektakuläre, dünn-helle Glitzerklänge und insbesondere im Zentrum der Stereoabmischung das Vokalistinnentrio, zu unmenschlichem Tweeroboterinnengesang durchprozessiert. Nur ein bisschen tiefere Tonlagen bieten aber schon schrägere, immer wilder links und rechts titschende Knarz-, Quietsch- und Blubbersynkopen, dass das Ganze [...]
Als Ariel Pink letztes Jahr mit Before Today samt Band den Schritt ins Tonstudio machte, schienen das einige als Bruch mit der Vergangenheit zu begrüßen. Schluss mit Lo-Fi, Schluss mit Schrägheit, Schluss mit der Unsicherheit, ob der Kerl es wirklich ernst meint und ob seine Songs auch in konventionellerem Format funktionieren würden. Nun ja, wenn die grenzchaotischen Liveshows nicht genügt haben sollten, zeigt sich Pink auf seiner diesjährigen Single wieder erfreulich widerborstig: Ein einziger 16-minütiger Patchwork-Song hookreichen, proppigen Blubber-Pops mit ebenso Dada-politischem Text wie einem Video, das die Weltberichterstattung des US-TVs mit absurden Collagen parodiert. Weil [...]
Als Ariel Pink letztes Jahr mit Before Today samt Band den Schritt ins Tonstudio machte, schienen das einige als Bruch mit der Vergangenheit zu begrüßen. Schluss mit Lo-Fi, Schluss mit Schrägheit, Schluss mit der Unsicherheit, ob der Kerl es wirklich ernst meint und ob seine Songs auch in konventionellerem Format funktionieren würden. Nun ja, wenn die grenzchaotischen Liveshows nicht genügt haben sollten, zeigt sich Pink auf seiner diesjährigen Single wieder erfreulich widerborstig: Ein einziger 16-minütiger Patchwork-Song hookreichen, proppigen Blubber-Pops mit ebenso Dada-politischem Text wie einem Video, das die Weltberichterstattung des US-TVs mit absurden Collagen parodiert. Weil [...]
Wie schon letztens erwähnt, war Ende 2010 das dritte Album von Deaf Wish eine ziemlich feine krachige Angelegenheit. Vor ein paar Monaten tourten sie zwar durch Europa, allerdings nirgends wo es für mich erreichbar gewesen wäre. Nun aber, da sie letzten Monat die USA besuchten, gibt es immerhin eine Aufzeichnung ihrer WFMU-Session, wo sie ihren sonic-youthigen Punk in flotten 20 Minuten kredenzten. Deaf Wish: Live at WFMU on Beastin' the Airwaves with Keili October 1, 2011
Wonder World ist das beste südkoreanische - naja, sicher auch ganzkoreanische - Popalbum des Jahres. Das ist jetzt nicht die größte Leistung, waren die meisten Songhighlights 2011 doch entweder auf kürzeren EPs präsent oder Alben, die nicht mehr als eine EP voll Material zu bieten hatten. Aber nachdem anfangs auch hier nur die superben Stop! , Nu Shoes und G.N.O. Wiederholungswert zu haben schienen, stellt sich doch der Rest als solide bis interessant heraus - wie im technoiden SuperB , dem discoiden Sweet Dreams und der fein freakigen Rap-Plattform Act [...]
Gerade Musik, die von ihrer intensiven Kurzlebigkeit lebt, macht sich oft besser im EP-Format wo sie sich nicht überstrecken muss. Und so hat's mich dann wenig überrascht, dass es zwei meiner liebsten Entdeckungen der jüngsten Zeit lieber kurz und knapp halten. Da sind zum Einen die BritInnen Joanna Gruesome , die trotz der Angabe auf Bandcamp die meisten der Stücke dort erst kürzlich hochgeladen haben. Ist letztendlich aber fast egal, zeigen die bisherigen sechs Stücke doch bei aller Arschtret-Energie das zeitlos großartigste Indiepop-Melodiengespür, seit das der Pains Of Being Pure At Heart zu schwächeln begann. [Stream] [...]